Titicacasee - ein Nationalreservat

Der Titicacasee liegt auf einer Höhe von 3.810 Metern über dem Meeresspiegel in den Anden und ist mit einer Fläche von knapp 8.300 km² der zweitgrößte Süßwassersee Südamerikas.

Titicacasee
Titicacasee - ein Nationalreservat

Ein Besuch am Titicacasee gehört zum festen Bestandteil einer Rundreise durch Peru. Der See ist das weltweit höchstgelegene Gewässer mit einer kommerziellen Schifffahrt. Er besitzt eine Länge von 190 Kilometern und ist bis zu 67 Kilometer breit. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 107 Meter. Der Titicacasee wird von knapp 30 Flüssen gespeist. Den einzigen Abfluss der riesigen Wasserfläche bildet der Rio Desaguadero. Unzählige große und kleine Inseln und Halbinseln liegen in dem Binnengewässer. Auf einigen von ihnen befinden sich die Überreste der alten Inkakultur. Die durchschnittlichen Temperaturen in einer Höhe von mehr als 3.800 Metern liegen am Titicacasee zwischen 8 und 11 Grad. Dessen ungeachtet ist der See ein großer Wärmespeicher und die Regionen am Seeufer eignen sich für den Kartoffel-, Mais- und Gersteanbau.

Der Titicacasee besitzt aus archäologischer Sicht eine enorme Bedeutung. Mehrere Hochkulturen hinterließen seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. ihre Spuren am Ufer und auf den Inseln. Zwischen 700 und 200 v. Chr. siedelten die Angehörigen der Paracas-Kultur am Titicacasee. Funde von Mumien aus dieser Zeit belegen, dass die Menschen bereits damals die Fähigkeit besaßen, operative Eingriffe am offenen Schädel durchzuführen. Am Seeufer befindet sich ein kleines Museum, in dem Sie Artefakte und Fundstücke dieser Kultur bewundern können. Zahlreiche Ruinen aus der Inkazeit befinden sich auf den Inseln Isla del Sol und Isla de la Luna. Der Sage nach wurden auf diesen Inseln vom weißbärtigen Gott der alten Kultur die ersten Menschen des Inkavolkes geschaffen.

An den Ufern des Titicacasees leben einige indigene Volksgruppen, die sich durch eine besondere Lebensweise und außergewöhnliche Rituale auszeichnen. Zu den Attraktionen der Region gehören die schwimmenden Inseln der Urus. Diese ethnische Volksgruppe lebt seit Jahrhunderten auf künstlichen Inseln im See. Die Inseln bestehen aus getrocknetem Totora-Schilf, das unter anderem auch für den Schiffs- und Hausbau verwendet wird. Einst dienten die schwimmenden Inseln den Ureinwohnern zum Schutz vor den Übergriffen der Inkas. Wenn Gefahr drohte, zogen sich die Urus auf die Eilande mitten im See zurück. Heute bildet der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für die indigene Volksgruppe. Besucher werden mit Booten zu den schwankenden Inseln gebracht und lernen dort das ursprüngliche Leben der Urus kennen.

Am Titicacasee ist eine artenreiche Flora und Fauna beheimatet. In der abgelegenen Region auf 3.800 Meter Höhe konnten sich zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Mehr als 80 Vogelarten und 26 verschiedene Fischarten sind in dem Binnengewässer beheimatet. Darüber hinaus lebt am Ufer des Sees der sogenannte Titicacaseefrosch, dessen größtes Atemorgan die Haut ist. Zur Vergrößerung der Oberfläche ist die Haut sehr faltig, was der endemischen Tierart ein skurriles Aussehen verleiht. Zu den endemischen Fischarten im See gehören verschiedene Andenkärpflinge und der Schmerlenwels. Im Rahmen von "Trekking-Touren", Bootsausflügen und Wanderungen können Sie die Artenvielfalt am Titicacasee bewundern und sich auf eine Entdeckungsreise zu den steinernen Hinterlassenschaften alter Kulturen begeben.

In jüngster Vergangenheit nahm die Wasserqualität des Titicacasees permanent ab. Grund dafür sind illegal betriebene Minen am Seeufer, deren giftigen Abwässer ungeklärt in den See fließen. Im Jahr 2006 wurde zum besseren Schutz des Ökosystems von den Anrainerstaaten Peru und Bolivien ein Memorandum unterzeichnet. Auf diese Weise soll der illegale Minenbetrieb bekämpft werden. Stetig sinkende Wasserstände durch den Rückgang der Andengletscher stellen eine weitere Bedrohung für die Flora und Fauna am See dar. Derzeit laufen mit Unterstützung der Europäischen Union Bemühungen, den Wasserabfluss über den Rio Desaguadero durch den Bau von kleinen Dämmen zu regulieren. Der Titicacasee ist seit 1978 offiziell als Nationales Schutzgebiet eingestuft und besitzt den Status eines Nationalreservates.

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